MAMORÉ: LIEBE IM NEONLICHT - UNTER.TON | MAGAZIN FÜR KLANG- UND SUBKULTUR

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MAMORÉ: LIEBE IM NEONLICHT

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Das beste kommt bekanntlich zum Schluss. Und es war einer der letzten Veröffentlichungen im Jahr 2023, das Veröffentlichungsdatum der 8. Dezember. Da haben die meisten Gazetten und Musikseiten eigentlich schon ihre Jahrescharts in Sack und Tüten. Und auch UNTER.TON war sich eigentlich schon sicher, dass da nicht mehr Spannendes kommen würde.

Doch weit gefehlt: Mamoré, eine Band aus Thüringen und der Redaktion bis dato nicht bekannt, präsentierte ihre selbstbetitelte Premiere. Was dann geschah, kann man nur mit einem Wort beschreiben: staunen! Denn man war immer wieder geneigt, auf das Produktionsjahr zu schauen, um sich zu vergewissern, dass Mamoré eine aktuelle Gruppe sind. Rein soundtechnisch haben sie sich nämlich einem rockig ausgeschmückten 80s-Pop-Sound zugewandt, sodass man Mamoré als verschollenes Projekt aus jener Dekade hatte durchwinken können. "Mamoré" war ein einziger Liebesbeweis im Neonlicht, gepaart mit der Atmosphäre einer Freibadsaison anno 1983.

Eric Schulz relativiert jedoch den von außen an die Band angetragenen 80er-Fetisch: "Wir mögen die 80er Jahre auf jeden Fall, aber pop-kultur-technisch lieben wir auch die 90er und die 2000er." Das lässt sich besonders im Video zur aktuellen Single "Wasserstoff & Staub" ausmachen, dass in angestaubter 90er-Ästhetik die Band vor einer Videoleinwand zeigt, auf der verschiedenste Clips, auch aus den 90ern gezeigt, werden (schließlich endet der Clip mit einem Startbildschirm eines Windows-98-Rechners).

Rein musikalisch betrachtet ist aber das neueste Stück ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung goldenes Popjahrzehnt. Der geneigte Connaisseur wird schnell eine Verbindung zu einem leidlich bekannten Stück ziehen: "Catch Me I'm Falling" von Real Life (bekannter ist ihr "Send Me An Angel"). "Den Song kennen und lieben wir, das wäre gelogen das zu verneinen", gibt der Sänger unumwunden zu. "Es war aber keine bewusste Blaupause. Eher so ein Fall von musikalischem Verwandtschaftsgrad. Wenn man bestimmte Harmonien, Tempi und Synth-Farben benutzt, landet man zwangsläufig im gleichen Kosmos." Sei ihnen gegönnt, denn das immer noch herausragende Alleinstellungsmerkmal von Mamoré ist und bleibt Erics Stimme, die stets ein bisschen drüber und affektiert klingt.

Sein Timbre öffnet ein Füllhorn an Vergleichen. UNTER.TON zog unter anderem Carsten Pape von Clowns & Helden ("Ich liebe dich") heran, auf den Plattformen TikTok und Instagram konnte der Frontmann weitere verrückte Verbindungen lesen - sowohl stimmlich, als auch optisch. "Die Referenzen auf meine Stimme - Joachim Witt, Herbert Grönemeyer, Hubert Kah - und Aussehen - Philipp Amthor - sind schon wild, und eines Tages gibt es mal ein Best-Of der Vergleiche", scherzt Eric.

Diese Reaktionen sind aber der beste Beweis, dass die Band nicht egal ist. Man nimmt Mamoré wahr und man hört den Jungs zu, wenn sie ihre nicht gerade heiteren Texte vortragen. "Wasserstoff & Staub" bildet da keine Ausnahme. "Darin geht es eher um ein sehr versimpeltes Ende der Welt und das Festhalten an meiner jetzigen Beziehung, die für mich wirklich das größte auf der Welt ist", erklärt Eric. "Es ist unglaublich schwer an Liebe und das Gute im Menschen zu glauben bei so viel Weltschmerz. Gleichzeitig denk ich da immer gerne an upside down von Jack Johnson. Wie die Erde immer kleiner und der Kosmos immer größer wird. Und gerade da ist es beruhigend zu wissen, dass man nicht alleine ist."

Momentan ist das Quintett am neuen Album dran. "Das neue Album ist im Grunde fertig geschrieben und wird nun in Leipzig aufgenommen. Wir haben dafür das Label Eintracht Pankow gewinnen können und freuen uns schon sehr! Bis die Musik draußen ist, dauert es aber bis in den Herbst." Um die Zeit zu überbrücken, werden Mamoré immer wieder Singles mit dazu sicherlich wieder skurrilen und stimmungsvollen Videos veröffentlichen.

Im April werden sie eine ausgedehnte Tour beginnen, unter anderen in so kultigen Locations wie das Berliner SO36 und Düsseldorfs Ratinger Hof. Jene Ecken also, in denen die erste Neue Deutsche Welle ihre Energie holte, um mit voller Wucht über die BRD zu schwappen. Mamoré werden mit ihren Klängen sicherlich dieses Gefühl wiederaufleben lassen.

|TEXT: DANIEL DRESSLER | DATUM: 20.02.26 | KONTAKT | WEITER: NILS KEPPEL "SUPER SONIC YOUTH">

Webseite:
www.mamore.de

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