"LA DANSE MACABRE 20": TUMMELPLATZ DER TALENTE - UNTER.TON | MAGAZIN FÜR KLANG- UND SUBKULTUR

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"LA DANSE MACABRE 20": TUMMELPLATZ DER TALENTE

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Eigentlich ist die Leier immer die selbe, und spätestens mit dem aufkommenden Festivalsommer und den fast schon vorhersehbaren Headlinern wird die mangelnde Innovationskraft in der Schwarzen Szene debattiert. Fakt ist: Die Gothic-Szene altert, was dazu führt, dass in den Clubs seit gefühlt 40 Jahren die immer gleichen Songs laufen. Depeche Mode, Deine Lakaien, VNV Nation, The Sisters Of Mercy, Siouxsie & The Banshees, The Cure, Apoptygma Berzerk, Covenant: Alles Gruppen, die früher oder später an einem launigen Schwarzkittelabend in der hiesigen Disse zu hören sein werden.

Doch Fakt ist auch: Mittlerweile haben jüngere Generationen die Musik für sich entdeckt. Gepaart mit einem romantisch verklärten Blick auf eine Epoche, der sie ob ihrer späten Geburt nicht selber miterleben konnten, werden Cold Wave, Gothic und alles, was aus den trübsinnigen Ecken der 80er so entstanden ist, neu interpretiert und dadurch weiterentwickelt.

Wer sich also die Mühe macht und die Musikplattform Bandcamp durchforstet, wird erstaunt sein, welche Fülle es an qualitativ guten Bands und Künstlerinnen sowie Künstlern gibt, die sich einem melancholischen Sound verschrieben haben, der zwar noch den Geist der Vergangenheit in sich trägt, aber dennoch die Ideen von damals weiterdenken.

Seit zehn Jahren sorgt Axel Meßinger nun dafür, dass einige dieser Kunstschaffenden durch seine "La Danse Macabre"-Reihe gesammelt erscheinen, um ihre Talente vereint zu zeigen. Hat der Mann aus Chemnitz zunächst epochal lange Kompendien geschaffen, bei denen auch mal 50 Bands Platz hatten, dampfte er "La Danse Macabre" auf ca. 30 Beiträge pro Folge ein, damit diese mehr Strahlkraft erhalten. So sind auch auf der 20. Ausgabe dieser Reihe, die Teil der übergeordneten At-Sea-Compilations, einem Sammelsurium verschiedenster, nach Genre aufgeteilter Kompendien, jene zu hören, die bei den großen Gazetten und auf den Massenveranstaltungen einfach nicht die Lobby besäßen, um gehört zu werden.

Wie zum Beispiel Chloe Drallos, eine aus Detroit stammende Musikerin, die unter dem alias Zilched einen leicht psychedelischen Alternative-Rock zum Besten gegeben hat und nun unter ihrem Mädchennamen tiefatmende, halbakustische Rocksongs kredenzt. "Belt Of Venus", entnommen aus dem aktuellen Werk "The Cave" ist so ein Beispiel für eine Künstlerin, die zwar nicht unmittelbar mit der Gruftiegemeinde in Verbindung steht, deren melancholisches Feingefühl aber jedem Weltschmerzler zupass kommen sollte.

Weitaus näher am Szenegeschehen ist da Dead Mascot. Der Franzose beschwört auf "Dead To Me" eine sinistre Stimmung, die er aus seinen Maschinen zaubert. Hier wird jeder Anhänger dunkler Synthesizermusik, wie sie in den 1990ern geradezu explosionsartig prosperierte, sofort ein Lächeln aufgrund der konzisen Zitiertechnik verspüren.

Doch ist "La Danse Macabre 20" auch eine Ansammlung bekannter Namen, die sich allerdings nicht sofort zeigen. "Echoes And Drawl" der Gruppe Fragrance wird beispielsweise von Gloria De Oliveira unterstützt. Jene ist einigen vielleicht noch in der Rolle der Tilly Brooks in der Serie "Babylon Berlin" bekannt. Auch ihr Album "Fascination" von 2020 ist immer noch ein kleines Art-Pop-Meisterwerk und sei an dieser Stelle lobend erwähnt.

Und sonst noch? Melanculia beispielsweise, den wir erst kürzlich auf UNTER.TON vorstellten. Dahinter verbirgt sich kein geringerer als Nino Sable, der mit seiner Gruppe Aeon Sable bereits gut bekannt ist. Melanculia ist die Reaktivierung seines ersten Projekts, der Song "Sunboat Ascension" eine folkig angehauchte Düsterballade. Oder Catholic Guns, ein Jointventure von Ralf Jesek (In My Rosary) und Martin von Arndt (Printed At Bismarck's Death), die mit dem muskulös vor sich hinblubbernden "Anything" vertreten sind.

In seiner Entität besticht der Sampler durch einen fein austarierten Spannungsbogen, der von klassischen Post-Punk-Stücken über Beinahe-Indie-Pop (Dillon Ryan & The Dream Romantic) zu kunstvoll arrangierten Elektronikperlen (Gold Mass), tradiertem Goth-Rock (Westenra) bis hin zu Ethereal-Kleinoden (Mercurys Antennae) reicht und damit die brodelnde Schicht knapp unter der Gothic-Oberfläche gekonnt beleuchtet. Wenn Hörerinnen und Hörer bei dieser Zusammenstellung nicht mindestens eine Band als ihre neuen Lieblinge auserkiesen, liegt das sicherlich nicht an der 20. Folge von "La Danse Macabre", sondern am Menschen vor dem Endabspielgerät selbst.

||TEXT: DANIEL DRESSLER | DATUM: 07.07.2026 | KONTAKT | WEITER: KURZ ANGESPIELT 7/26>

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