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JAHRUND "INVERTED PARADISE": GARTEN EDEN ALS ÜBERLEBENSKONZEPT

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Ja, auch der Autor dieser Zeilen, generell sozialen Medien gegenüber kritisch eingestellt, verliert sich in den ruhigen Minuten in kurzen Videos mit lustigen Katzen, tollpatschigen Menschen oder sonstigen großen und kleinen Ungeheuerlichkeiten unser Welt. Dazwischen ertönte in einem Reel auf einmal eine warme, fast schon engelsgleich modulierte Melodie aus einem vermutlich analogen Synthesizer, gefolgt von einer weichen, introvertierten weibliche Stimme, welche die Aufmerksamkeit sofort auf sich zog.

Es handelte sich um "Reborn From The Ashes", einem Juwel von einem Song, der Mut machen will: Trotz unserer verrückten Welt lohnt es sich, für seine  Ideale und Leidenschaften einzustehen. Eine Erkenntnis, die sich komplett durch "Inverted Paradise" zieht. Das "umgedrehte Paradies" wird bei Jahrund zu einem persönlichen Rückzugsort, welches das Überleben in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, sichert.

Klangtüftler Vladimir Vanian und Sängerin Ekaterina Elterman betrachten die Welt und gießen sie in Songs mit flächigen Synthiesounds, die tiefenentspannt und raumfüllend sind. "Dieses Album ist weder Protest noch Flucht. Es ist die Fixierung eines Zustands." So bezeichnet der Beipackzettel "Inverted Paradise" und schickt die wichtigste Erkenntnis gleich vorweg. Jahrund wollen nicht belehren oder einen Eskapismus pflegen, sondern einfach nur den Status Quo aufzeigen. Dabei bleiben sie in ihren Songs dennoch persönlich, ja geradezu intim.

Es hat den Anschein, das Ekaterina, deren Gesang entfernt an Björk ohne den artifiziell-verkopften Überbau erinnert, zu jedem und jeder Einzelnen singt und sie uns an die Hand nimmt, um die Welt zu betrachten und eigene Rückschlüsse zu ziehen. Doch wenn wie in "Twilight Veil" ihr Organ außen vor ist, bringen die detailverliebten Klänge Vladimirs unser zerebrales Lichtspielhaus ebenfalls in Bewegung. Alles strahlt in dunklen Farben, aber es ist eine wohlige Dunkelheit, die einlädt zur inneren Besinnung und Reflexion. Jahrund akzeptiert auf "Inverted Paradise" die Schwärze, die einen umgeben kann, und arrangiert sich mit ihr, um daraus Kraft zu schöpfen.

Um aber all die interpretatorische Versuche beiseite zu wischen: Das zweite Album ist nicht bloß die Weiterführung des 2024er Debüts "Fiction World", sondern ein klares stilistisches Statement eines Projekts, das mehr, viel mehr, Aufmerksamkeit erhalten sollte. Schließlich haben sie einen komplett eigenständigen und gleichwohl nachvollziehbaren tönernen Kosmos erschaffen, in den man sich nur all zu gern verlieren möchte.

||TEXT: DANIEL DRESSLER | DATUM: 10.03.26 | KONTAKT | WEITER: MARY MIDDLEFIELD VS VIIC WOODS>

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