THE DRESDEN DOLLS "YES, VIRGINIA... (TAILOR'S VERSION)": NEUE INTENSITÄT
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Wie aus dem Nichts tauchte der Name Dresden Dolls in Deutschland in den mittleren 00er-Jahren auf. Ohne großes Marketing, ohne große Werbekampagne. Aber die Nachfrage nach dieser Band stieg. Mit ihren Tourneen haben Amanda Palmer, die exaltierte bis hemdsärmelige Tastenbändigerin, und Brian Viglione, das menschgewordene Tier aus der Muppet Show, nachhaltig beeindruckt. Ohne große Effekte, ohne Show, nur durch ihre Performance und ihrem "Brechtian Punk Cabaret", das tatsächlich auch Anleihen an den bekannten exildeutschen Künstler aufweist.Sicherlich war es auch die extrovertierte Ausstrahlung Palmers, die zum Ruhm des Duos beitrug. Von Boston.com als stylishste Frau anno 2006 gekürt, brachte sie mit ihrem Partner in crimenach ihrem selbst betitelten Erstling in diesem Jahr "Yes, Virginia.." heraus, das sich in dem schmalen Oeuvre als ihre Meisterarbeit herauskristallisieren sollte. Der Sound war hektisch, nervös, kurz vorm Nervenzusammenbruch, die Texte so originell wie schmerzhaft. In "Delilah" berichtet Palmer über eine Frau, die in einer Beziehung ist, die man heute als toxisch bezeichnen würde. "Me And The Mini-Bar" erzählt von einer zerbrochenen Beziehung, die das lyrische Ich in Alkohol ertränkt.
Man könnte noch mehr, ja, man müsste sogar noch mehr Songs aufzählen. Eigentlich alle, was aber naturgemäß den Rahmen der Rezension sprengen würde. Denn "Yes, Virginia..." ist eine dieser wenigen Glücksmomente von einem Album, das von Anfang bis Ende ohne Spannungsverlust angehört werden kann. Auch nach 20 Jahren, die das Werk nun auf dem Buckel hat, schaffen es die Kompositionen der Musikerin immer noch zu fesseln. Das nennt man dann wohl zeitlos. Dass das Musikerpärchen (die aber nie zusammen waren) das Album nun erneut einspielen.
Der Rahmen hat sich nicht verändert: Die Tracklist ist gleich geblieben und lediglich um einen Bonustrack erweitert. Auch das Arrangements wurde nur marginal überarbeitet. Allerdings spielen jetzt zwei Menschen, die 20 Jahre älter geworden sind, das Album ein. Sie haben eine Reise hinter sich, persönlich wie künstlerisch. Das verändert den Vibe der Platte deutlich. Mehr Wagnis, mehr Spielfreude. "Yes, Virginia" in der Tailor-Version (der Titel ist entstanden in Anlehnung an das Pop-Sternchen Taylor Swift, die ebenfalls ihre alten Aufnahmen neu aufgenommen hatte) ist nah an der vibrierenden Live-Umsetzung ihrer Stücke.
Amandas Phrasierung ist nuancierter; teilweise finden sich einige unerwartete Expansionen, wie bei "Mandy Goes To Med School", bei dem Viglione seine Kunstfertigkeit an den Trommelfellen unter Beweis stellt und geschickt "Minnie The Moocher" von Cab Calloway einbaut. Insgesamt wirken die Stücke nun intensiver, konzentrierter und gleichzeitig freier und ungezwungener. Ganz davon ab, macht diese Veröffentlichung Hoffnung auf ein neues Album der Dresden Dolls. Jedenfalls deutete die Sängerin dies an. Es wäre ein kleines Wunder.
||TEXT: DANIEL DRESSLER | DATUM: 22.08.26 | KONTAKT | WEITER: ALBERT CASTIGLIA "GRITS & GLORY">
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