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TRAMHAUS "BLISTER" VS. BILLY ZACH "A LITTLE HOPE": MACHT MAL LÄRM!

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Nach ihrem Debüt "The First Exit" wurde der niederländische Fünfer Tramhaus gleich mal über den grünen Klee gelobt. "Post-Punk Sensation" hieß es an einer Stelle, diverse Lobpreisungen hatten andere Onlinegazetten für die Band parat. Dieser Überschwang macht erst einmal skeptisch, ob sie den Erwartungen gerecht werden können. Der Nachfolger "Blister" belegt: Sie können!

Vor allem, weil das Quintett in den letzten Jahren dazugelernt hat. Das mag am vielen touren liegen (Tramhaus sind perfekte Netzwerker und haben bereits Auftritte in Asien absolviert), aber auch am Wunsch, dem eigenen Klang mehr Kontur zu verleihen. Dementsprechend ist "Blister" der gekonnte Versuch, die Energie und Dynamik der Liveauftritte ins Studio zu übertragen. Erfahrungsgemäß herrschen da zwar andere Spielregeln, welche die Holländer aber zu ihrem Vorteil nutzen.

Das neue Werk zeichnet sich durch ein stärkeres Songwriting aus, das Melodiebögen gekonnt in die schroffe Atmosphäre der Songs implementiert. Bedeutet also: "Blister" klingt kompakter, teilweise auch etwas runder, ohne aber die abrasiven Sounds zu vernachlässigen. Es scheppert und lärmt immer noch amtlich auf Blister. Das Schlagwerk peitscht unnachgiebig nach vorne, die Gitarren bauen sich bedrohlich auf (großartig bei "Cluster") und Sänger Lukas Jansen wirkt wie ein Getriebener seiner Texte.

Stücke wie "Lap Dog" oder das vorab veröffentlichte "Plovdiv" bringen die ungefilterte Post-Punk-Energie der Niederländer aufs Tablett, während "Solace" trotz seiner Rumpeligkeit auch etwas balladeskes besitzt. Großes Hoffnungsloskino bietet "Overachiever, Big Believer", bei dem die Saiteninstrumente aus voller Kehle heulen dürfen. Der schleppende Rhythmus besitzt etwas Finales. Als ob sich danach die Erde auftut und uns alle verschlingen wird.

Also ja: Tramhaus ist so etwas wie eine kleine Sensation im alternativen Rockbereich. Mit "Blister" haben sie sich deutlich weiterentwickelt und die Tür zu einem neuen Kapitel ihrer Karriere aufgestoßen. Immer noch aggressiv, roh und ungestüm geht das Fünfergespann hier zur Werke, aber die Songstruktur ist ausgereifter. Harren wir also gespannt der Dinge, die da hoffentlich noch kommen mögen. "Blister" jedenfalls macht schon vieles sehr richtig.

Sarkastischer könnte der Titel des neuen Werkes von Bily Zach sein. "A Little Hope" - das klingt nach "Ein bisschen Frieden", nach nicole-esquer Schlagerrühreseligkeit mit Ralph-Siegel-Gütesiegel. Wie der Volksmund aber auch weiß: Die Hoffnung stirbt zuletzt, bei dieser Truppe jedoch sehr schnell und ohne Sicht auf Wiederbelebung.

Dass dies so ist, liegt vor allem an den ultraschweren Klängen, die sich zu einer apokalyptischen Rockarie hochschaukeln. Die Gitarren bratzen steinschwer durch die Kompositionen, wirken bei "Ideals" wie ein apokalyptisch lärmendes Instrument, das uns den Weg zum Hades weist. Dazu gibt Max Zacherl, Exilmünchner und wohnhaft in Hamburg, den heiser-röhrenden Punk, der an das markante Timbre von Macolm Owen von The Ruts erinnert. Macht in Summe ein dunkles Werk, das über die aktuellen Entwicklungen auf der Welt einen großen Eimer Kotze ausschüttet.

Dabei beschreiben sie in "Therapy" missglückte Therapieversuche und geben der "German Angst" den entsprechenden Sound aus verhallten Gitarren und peitschenden Rhythmen, in denen sich kollektive Angstzustände vor unseren Augen und Ohren zu materialisieren scheinen. Auch "Ideals" führt der Hörerschaft vor, wie man sich von falschen Idealen verleiten lassen kann. Wie gesagt: Hoffnung klingt anders!

Dennoch liegt in aller Schwärze und Tristesse auch der versteckte Wunsch, dass es am Ende des Tunnels doch so etwas wie ein Licht gibt. Und wenigstens bei "Pointed Shoes" wirken die Texturen heller und freundlicher, wohl auch, weil Bassistin Annabelle Weder dem Stück mit ihrem Gesang ein etwas freundlicheres Gesicht verleiht (auch "Cede" eröffnet sie höchst intensiv). "I wish I could be what I want" lärmt Zacherl am Ende der Nummer - wie zuvor schon, suchen Billy Zach nach Identität in einer Welt, die im Begriff ist, keine festen moralischen Parameter mehr bereit zu halten.

Die dann fast schon beruhigenden Gitarrenspielereien sind wohl die leise Hoffnnung, dass es irgendwann mal vielleicht doch besser werden kann. Bis dahin bedeutet "A Little Hope" aber hauptsächlich: leiden, darben, verzweifeln. Das aber auf einer ästhetisch ansprechenden wie authentischen Art und Weise, wie man sie dieser Tage nicht mehr all zu oft hören bekommt.

||TEXT: DANIEL DRESSLER | DATUM: 30.10.2026 | KONTAKT | WEITER: TWIN TEMPLE VS. FREUNDE DER ITALIENISCHEN OPER>

Webseite:
www.tramhaus.com
www.billyzach.de

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COVER © VICIOUS CIRCLE (TRAMHAUS), LA POCHETTE SURPRISE (BILLY ZACH)

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